Der Beirat der EUROVINO

Der Beirat der EUROVINO setzt sich aus folgenden Branchenexpertinnen und -experten zusammen:

  • Dr. Hermann Pilz, Vorsitzender des Beirats
  • Andreas Behrens, EDEKA Familie Behrens
  • Björn Keyser, Inhaber REWE Keyser
  • Michael Kugel, „Die Weinreferenten“ - Eine Marke des Fachverbands unabhängiger Weinreferenten e.V.
  • Petra Neuber, ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.
  • Martin Schmidt, Friedrich Kiefer KG Privatkellerei – Weingut
  • Claudia Stern, Wine & Glory
  • Christopher Streeck, EDEKA Streeck
  • Barbara Wanner, Organize Communciations GmbH
  • Holger Willy, Rolf Willy GmbH – Privatkellerei

Die Beiräte und Beirätinnen repräsentieren somit die wichtigsten Zielgruppen der Weinbranche sowohl auf Anbieter- als auch auf Abnehmerseite und stehen ebenso für Consulting, Expertise und Vernetzung in der jeweiligen Region.

Mehr erfahren Sie in den Interviews!

Interviews

2026-10-06
Im Gespräch mit Jasmin Ohlendorf

Jasmin Ohlendorf, Hoteldirektorin Renthof Kassel

Was macht das Thema Wein für Sie besonders?

Wein ist für mich weit mehr als ein Getränk. Wein erzählt Geschichten – von Menschen, Landschaften, Traditionen, Handwerk und manchmal auch von ganz neuen Ideen. Genau das fasziniert mich und auch unsere Gäste.

In der Gastronomie kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Wein verbindet Menschen. Eine gute Weinempfehlung kann einen Abend verändern, ein Gericht noch einmal ganz anders erlebbar machen und Gesprächsstoff schaffen. Ich mag besonders, dass Wein emotional und gleichzeitig unglaublich facettenreich ist. Man kann sich ein Leben lang damit beschäftigen und entdeckt trotzdem immer wieder etwas Neues.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Mein aktueller Lieblingswein befindet sich tatsächlich auf unserer eigenen Weinkarte im Renthof: ein trockener Bio-Grenache vom Weingut Reibold aus der Pfalz.

Ich mag an diesem Wein besonders, dass er für mich sehr schön zeigt, was Wein ausmachen kann: Charakter, Handwerk und gleichzeitig unkomplizierten Genuss. Und vielleicht gehört das für mich auch zu einem Lieblingswein dazu – dass ich ihn nicht nur selbst gerne trinke, sondern ihn mit Überzeugung unseren Gästen empfehlen kann.

Wobei ich mir ausdrücklich vorbehalte, dass sich mein Lieblingswein immer wieder ändern darf. Genau das ist schließlich das Schöne an Wein: Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Liebling?

Auf eine einzige Weinregion möchte ich mich tatsächlich gar nicht festlegen. Gerade die Unterschiede machen für mich die Faszination des europäischen Weinbaus aus. Boden, Klima, Rebsorte und die Handschrift der Winzerinnen und Winzer sorgen dafür, dass jede Region ihre ganz eigene Geschichte erzählt.

Für den Renthof beziehen wir überwiegende deutsche Weine, da wir ein Regionalitätskonzept leben.

Somit schauen wir uns beispielsweise die Mosel einmal an: Schieferböden und Riesling gehören hier untrennbar zusammen. Oder das Burgund, wo kalk- und mergelhaltige Böden ganz wesentlich den Charakter von Chardonnay und Pinot Noir prägen. Und dann die Pfalz, die wiederum eine enorme Vielfalt an Böden, Rebsorten und Weinstilen bietet – und aus der ganz nebenbei auch mein derzeitiger Lieblingswein kommt.

Genau diese Unterschiede finde ich spannend. Für mich muss eine Weinregion deshalb gar nicht „die beste“ sein. Viel interessanter ist die Frage: Was macht diesen Ort, diesen Boden und am Ende diesen Wein unverwechselbar?

Welche Weinanbauregion in Europa ist für Sie aktuell noch ein Geheimtipp bzw. ist im Kommen?

Wenn ich heute einen europäischen Geheimtipp nennen müsste, würde ich Slowenien sagen.

Das Land hat eine unglaublich spannende Weinkultur und verbindet auf kleinem Raum sehr unterschiedliche klimatische und geologische Bedingungen. Besonders interessant finde ich die vielen regionalen und autochthonen Rebsorten.

Genau darin liegt für mich die Chance. Wir erleben in der Gastronomie, dass Gäste neugierig sind und durchaus Lust haben, sich auf etwas Neues einzulassen, wenn wir ihnen die Geschichte dazu erzählen.

Und vielleicht ist genau das meine Definition eines Geheimtipps: ein Wein, den der Gast zunächst nicht kennt und nach dem ersten Glas unbedingt kennenlernen möchte.

Sie sind Hoteldirektorin des Renthof Kassel – mit welchen Themen und Fragestellungen sehen Sie sich in Ihrem Berufsalltag aktuell besonders konfrontiert?

Die Hotellerie und Gastronomie befindet sich in einer unglaublich spannenden, aber auch herausfordernden Zeit. Wir beschäftigen uns intensiv mit Mitarbeiterbindung und Gesundheitsmanagement, Ausbildung, steigenden Kosten, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und natürlich mit den sich verändernden Erwartungen unserer Gäste.

Für mich steht dabei eine Frage immer wieder im Mittelpunkt: Wie schaffen wir es, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten und gleichzeitig echte Gastlichkeit zu bewahren?

Denn bei allen digitalen Möglichkeiten und notwendigen Prozessen dürfen wir eines nicht vergessen: Unsere Branche lebt von Menschen. Gäste möchten gesehen, verstanden und begeistert werden. Und dafür brauchen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Freude an ihrem Beruf haben und diese Begeisterung mit Herzblut weitergeben können.

Inwiefern können Messen wie die EUROVINO Lösungsansätze für diese Fragestellungen bieten?

Messen wie die EUROVINO schaffen etwas, das gerade heute besonders wertvoll ist: persönlichen Austausch.

Sie bringen Produzenten, Handel und Gastronomie zusammen und ermöglichen Gespräche, für die im operativen Alltag häufig die Zeit fehlt. Wir können neue Produkte kennenlernen, Entwicklungen frühzeitig wahrnehmen und Erfahrungen miteinander teilen.

Für mich geht es dabei nicht nur darum, einen neuen Wein zu entdecken. Es geht um Netzwerke, Wissen und Inspiration. Eine gute Messe sollte dazu führen, dass ich mit neuen Gedanken nach Hause fahre und mich frage: Was davon können wir in unserem eigenen Betrieb umsetzen?

Die gute Struktur der Messe ermöglicht auch kleinen Häusern, wie dem unseren schnell und effizient Weine zu finden, welche zu uns passen.

Lassen Sie uns aus dem Gesagten das Thema Personal herausgreifen: Was möchten Sie denjenigen mitgeben, die sich für Gastronomie und Hotellerie interessieren?

Ich würde mich jederzeit wieder für diese Branche entscheiden: Hotellerie und Gastronomie sind unglaublich vielfältig. Kaum ein Tag gleicht dem anderen. Wir arbeiten mit Menschen, schaffen Erlebnisse und dürfen Gastgeber sein. Gerade junge Menschen können sehr schnell Verantwortung übernehmen und herausfinden, wo ihre eigenen Stärken liegen.

Natürlich müssen auch wir als Arbeitgeber unsere Hausaufgaben machen. Gute Führung, Wertschätzung, verlässliche Dienstplanung, Entwicklungsmöglichkeiten, moderne Arbeitsbedingungen und eine Ausbildung, die junge Menschen wirklich ernst nimmt, sind für mich entscheidend.

Wir müssen jungen Menschen noch stärker zeigen, wie viel ihnen eine Ausbildung in der Gastronomie und Hotellerie bieten kann: Begegnungen, Kreativität, Verantwortung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine enorme Vielfalt an beruflichen Wegen und dies auf der ganzen Welt.

Sie sind nun selbst Beirätin der EUROVINO. Was reizt Sie an dieser Aufgabe und welche Aspekte möchten Sie in die Zusammenarbeit einbringen?

Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut, im Beirat der EUROVINO mitzuwirken. Mich reizt besonders die Möglichkeit, die Perspektive der Hotellerie und Gastronomie einzubringen.

Ich möchte dabei ganz bewusst aus der Praxis kommen: Was benötigen gastronomische Betriebe wirklich? Wie müssen sich Weinkarten weiterentwickeln? Welche Produkte funktionieren bei unseren Gästen? Wie vermitteln wir Wein zeitgemäß und ohne unnötige Berührungsängste? Und wie können wir auch junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Wein begeistern und ihnen das notwendige Wissen vermitteln?

Gleichzeitig freue ich mich darauf, selbst zu lernen. Ein Beirat sollte für mich kein Gremium sein, in dem jeder nur seine eigene Perspektive vertritt. Besonders wertvoll wird er dann, wenn unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen und daraus neue Ideen entstehen.

Warum ist die EUROVINO als Messeformat mit Fokus auf den deutschsprachigen Absatzmarkt für die Branche wichtig?

Weil sie Produzenten und diejenigen zusammenbringt, die am Ende sehr nah am Gast und damit am Markt sind.

Gerade für die Gastronomie ist es wichtig, nicht nur über Trends zu sprechen, sondern zu verstehen, was tatsächlich nachgefragt wird, welche Konzepte funktionieren und wie sich das Konsumverhalten verändert.

Gleichzeitig bietet ein klarer Fokus die Chance, intensiver miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht möglichst groß und möglichst viel ist für mich entscheidend, sondern Relevanz. Wenn Winzerinnen und Winzer, Handel, Hotellerie und Gastronomie auf Augenhöhe miteinander sprechen, profitieren am Ende alle Seiten davon.

Was macht für Sie persönlich die EUROVINO aus?

Für mich sind es vor allem die Menschen, die Begegnungen und die Konzentration auf das Wesentliche.

Ich wünsche mir eine EUROVINO, bei der man nicht einfach nur durch Hallen läuft und möglichst viele Weine probiert, sondern bei der echte Gespräche entstehen. Eine Messe, auf der man Neues entdeckt, Bekanntes vielleicht noch einmal anders betrachtet und mit Menschen ins Gespräch kommt, die für ihr Produkt brennen.

Wenn ich nach einer Messe mit neuen Kontakten, neuen Ideen und vielleicht auch mit dem einen oder anderen Wein nach Hause fahre, von dem ich sofort denke: „Den möchte ich unseren Gästen zeigen“, dann hat eine Fachmesse für mich genau das erreicht, was sie erreichen sollte und das hat die EUROVINO mir in den letzten Jahren gegeben. Von Beginn an bin ich dabei!

Foto Jasmin Ohlendorf: Mario Zgoll, Bildrechte Jasmin Ohlendorf

Jasmin Ohlendorf
2026-10-06
Im Gespräch mit Katja Felke

Katja Felke, Geschäftsführerin Silkes Weinkeller, Mettmann

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Wein und was macht das Produkt für Sie besonders?

Ich bin als E-Commercelerin in die Weinbranche gekommen. Meine Neugier auf Wein ist seitdem immer größer geworden. Ich möchte das Produkt, das wir verkaufen, wirklich verstehen. Je mehr ich darüber erfahre, desto spannender finde ich es.

Das Besondere an Wein ist für mich, wie viel in einem Glas zusammenkommt: Herkunft, Klima, Handwerk und die Entscheidungen der Menschen dahinter. Man kann sich intensiv damit beschäftigen und wird trotzdem immer wieder überrascht. Und dann sitzt man mit anderen am Tisch, öffnet eine Flasche und aus all diesen Geschichten wird ein gemeinsamer Moment.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Einen einzigen Lieblingswein festzulegen, fällt mir schwer. Dafür gibt es zu viele spannende Weine und immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Außerdem hängt meine Auswahl vom Anlass ab: Was essen wir, mit wem sitze ich zusammen, worauf habe ich gerade Lust? Mein Lieblingswein darf deshalb durchaus wechseln.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten: Haben Sie einen Liebling?

Österreich steht bei mir weit oben. Mich begeistert die Vielfalt der Weine und wie viel Eigenständigkeit man dort entdecken kann. Aus meiner Sicht bekommen österreichische Weine in Deutschland noch nicht die Wertschätzung, die sie verdienen.

Auf ein einziges Anbaugebiet möchte ich mich trotzdem nicht festlegen. Dafür kann man fast überall spannende Entdeckungen machen. Wofür soll man sich da entscheiden?

Welche Weinanbauregion in Europa ist für Sie aktuell noch ein Geheimtipp beziehungsweise im Kommen?

Wenn es um unterschätzte Weinherkünfte geht, würde ich tatsächlich wieder Österreich nennen. Da gibt es aus meiner Sicht noch viel Potenzial, mehr Menschen für diese Weine zu begeistern.

Darüber hinaus finde ich Weinländer wie Moldawien oder Georgien spannend. Bei einer Verkostung moldawischer Weine habe ich gerade wieder erlebt, wie viel es abseits der vertrauten Herkünfte zu entdecken gibt. Ich würde deshalb weniger einen einzelnen Geheimtipp nennen als dazu ermutigen, neugierig zu bleiben und gelegentlich eine Flasche auszuwählen, deren Herkunft man bisher kaum kennt.

Zu Ihrer Berufstätigkeit: Mit welchen vorherrschenden Themen und Trends sehen Sie sich aktuell als Geschäftsführerin von Silkes Weinkeller konfrontiert?

Eine zentrale Frage ist für mich: Wie begeistern wir Menschen online für Wein und schaffen eine dauerhafte Kundenbeziehung? Dazu gehören eine gute Auswahl, verständliche Beratung und verlässlicher Service. Aber auch die Emotionalisierung des Produkts. Wein bringt so viele Geschichten mit, die wir digital erlebbar machen können.

Deshalb beschäftigen wir uns mit „Winetainment“, also der Verbindung von Wein und Unterhaltung, ebenso wie mit Social Commerce und Live Shopping. Wie können Kunden etwas entdecken, sich austauschen und Spaß daran haben? Gerade im Premiumsegment müssen wir vermitteln, was einen Wein besonders macht und warum er seinen Preis wert ist.

Gleichzeitig müssen wir profitabel und effizient arbeiten. Hier spielen KI und die Weiterentwicklung unserer Prozesse eine zentrale Rolle, von der Beschaffung über die Logistik bis zum Marketing und Kundenservice. Meine Aufgabe ist es, diese Entwicklungen zusammenzubringen und mit dem Team in den Alltag zu übersetzen.

Online ist Ihr „Daily Business“. KI verändert Geschäfts- und Arbeitsprozesse. Inwieweit ist dies bei Silkes Weinkeller bereits bemerkbar beziehungsweise wird aktiv eingesetzt?

KI ist bei uns inzwischen in zentralen Geschäftsprozessen angekommen. Wir erstellen damit bereits Content und Bilder, aber das ist nur ein kleiner Teil. Wir nutzen KI auch zur Unterstützung der Steuerung von Logistik und Beschaffung. Im Kundenservice bauen wir gerade einen KI-Layer auf, der unser Team bei der Bearbeitung von Anfragen unterstützt.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist unsere Produktdatenbank. Hier nutzen wir KI, um Produktwissen für eine bessere Kundenberatung verfügbar zu machen. Im Marketing hilft sie uns, aktuelle Suchinteressen zu erkennen und unsere Inhalte und Angebote gezielter auf die einzelnen Kanäle und Zielgruppen abzustimmen.

Dabei stehen wir noch lange nicht am Ende. Unser Anspruch geht über die Optimierung einzelner bestehender Abläufe hinaus. Wir überlegen auch, wie wir Prozesse mit den Möglichkeiten von KI neu gestalten können, um mittelfristig effizienter und konsequenter aus Kundensicht zu arbeiten. Dafür brauchen wir neben der Technologie auch das Wissen und die Erfahrung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Kommen wir vom Tagesgeschäft online zur Präsenz auf Messen wie der EUROVINO. Wo liegt hierbei die Wichtigkeit für Ihre Geschäftstätigkeit?

Für unser Onlinegeschäft ist der persönliche Austausch sehr wichtig. Wir können Weine gemeinsam verkosten, mit den Erzeugern sprechen und besser verstehen, welche Menschen und Ideen dahinterstehen. Dieses Wissen hilft uns später, die Weine unseren Kunden überzeugend zu vermitteln.

Dabei geht es längst um mehr als den Einkauf. Wir sprechen über Kooperationen, gemeinsame Projekte und darüber, wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Händlern ist wertvoll: Welche Ansätze funktionieren? Was beschäftigt uns gleichermaßen? Wo können wir gemeinsam etwas bewegen?

Die EUROVINO hat dafür einen Rahmen, der mir sehr gefällt. Ihre Größe ermöglicht persönliche Begegnungen und gibt Gesprächen Raum. Dazu kommt ein interessantes Rahmenprogramm, das zusätzliche Anlässe bietet, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sie sind nun selbst Beirätin der EUROVINO. Was reizt Sie an dieser Aufgabe und welche Aspekte möchten Sie in die Zusammenarbeit einbringen?

Mich reizt die Möglichkeit, ein Messeformat mitzugestalten und dabei die Perspektive des digitalen Handels einzubringen. Ich komme aus dem E-Commerce und beschäftige mich täglich damit, wie Menschen Wein entdecken, auswählen und kaufen. Dazu gehören für mich auch Kundenbindung, die Emotionalisierung des Produkts und die Möglichkeiten von KI.

Diese Erfahrung möchte ich mit den Perspektiven der anderen Beiratsmitglieder verbinden. Wie können wir neue Zielgruppen erreichen? Welche Unterstützung brauchen Erzeuger und Händler bei der Vermarktung? Und welche Formate fördern einen Austausch, aus dem konkrete Zusammenarbeit entsteht?

Dabei möchte ich auch die persönliche Nähe bewahren, die mir an der EUROVINO gefällt. Eine gute Messe schafft Raum für Begegnungen und liefert Impulse, die wir anschließend in unseren Unternehmen nutzen können.

Warum ist die EUROVINO als Messeformat mit Fokus auf den deutschsprachigen Absatzmarkt für die Branche wichtig?

Wir erleben, wie herausfordernd der Absatz gerade auch für deutsche Weine ist. Als Händler tragen wir Verantwortung, hier gegenzusteuern: neue Zielgruppen zu erschließen, die Kommunikation zu verbessern und die passenden Weine für die jeweiligen Kunden auszuwählen.

„Besser verkaufen“ bedeutet für mich, Herkunft, Handwerk und Besonderheiten verständlich und interessant zu vermitteln. Dafür brauchen wir gute Geschichten und ein klares Verständnis davon, was die jeweilige Zielgruppe anspricht.

Genau deshalb ist eine Plattform für den direkten Austausch so wichtig. Wenn Erzeuger und Händler gemeinsam überlegen, wie sie Kunden erreichen, entstehen Möglichkeiten, die jeder für sich vielleicht nicht entwickeln würde. Das können Kooperationen, gemeinsame Aktionen oder neue Vermarktungsansätze sein. Der Fokus auf den deutschsprachigen Absatzmarkt gibt diesen Gesprächen eine konkrete gemeinsame Grundlage.

Was macht für Sie persönlich die EUROVINO aus?

Die Gespräche, die Entdeckungen und die persönliche Atmosphäre. Ich mag, dass die Größe der Messe Nähe ermöglicht und man Zeit findet, sich wirklich auszutauschen. Das interessante Rahmenprogramm ergänzt das für mich sehr gut. Ich möchte mit neuen Ideen und Kontakten zurückkommen, aus denen anschließend etwas entsteht.

Und die EUROVINO hat für mich inzwischen auch eine besondere persönliche Bedeutung: Dort wurde Silkes Weinkeller bei den Fair Wine Awards* als Weinhändler des Jahres 2026 in der Kategorie Online-Handel ausgezeichnet. Darüber haben wir uns als Team riesig gefreut. Das bleibt natürlich hängen.

*Anm. der Redaktion: Wurde im September 2026 in ‚Future Wine Awards‘ umbenannt

Foto Katja Felke: Manuel Thomé

Katja Felke
2025-07-31
Im Gespräch mit Björn Keyser

Björn Keyser, Geschäftsführer REWE Björn Keyser, Radebeul

Was macht das Thema Wein für Sie besonders?

Wein ist nicht nur ein Produkt für Genießer, es ist auch der prägende Einfluss der Winzer auf die kulturelle und landschaftliche Gestaltung. In einem Weinbaugebiet zu leben, ist etwas Besonderes – vor allem, wenn die Weine mit viel Handarbeit erzeugt werden.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Ich liebe die Mineralik der sächsischen und fränkischen Spitzen-Weißweine. Beim Rotwein bleibe ich aktuell fast immer bei den französischen hängen.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Liebling?

Neben meiner Heimat sind es klar die Franken. Ein gut gereifter fränkischer Silvaner kann mit vielen Rieslingen mithalten. Das finde ich sehr spannend, weil es doch auch häufig unter dem allgemeinen Radar läuft.

Zu Ihrer Berufstätigkeit: Mit welchen Themen/Trends/Problematiken sehen Sie sich im Kontext Ihrer Weinabteilung momentan konfrontiert?

Wir sind klar in einem neuen gesellschaftlichen Trend. Weniger Alkohol oder alkoholfrei. Gesellschaftlich finde ich es gut – aber es macht das Geschäft im Bereich Wein schwieriger. Ich glaube nicht, dass sich das aufhalten lässt. Wir müssen es aber gut begleiten – und meines Erachtens auch dafür sorgen, dass sich unsere Kunden beim Genuss von Wein etwas Gutes gönnen. Weg vom Massen- hin zum Genussprodukt. Auch in unserer Weingegend ist für viele der preiswerte Wein der Einstieg – unsere Herausforderung bleibt es, den Kunden zu zeigen, dass sich der Invest in gute Weine lohnt.

Welche Produkte werden von den Verbrauchern im Weinbereich aktuell besonders gefragt? Welche Veränderungen erkennen Sie hierbei?

Es sind tatsächlich weiterhin unsere sächsischen Weine, aber leider in letzter Zeit eher die preiswerteren. Was sich hier bei Weißwein um die 10 € bewegt. Wir forcieren aktuell auch französische Weine, hier besonders Rosés. Es gelingt uns ganz gut – bisher waren diese gegenüber italienischen oder spanischen etwas schwächer.

Ansonsten ist der Trend zu alkoholfreien oder -armen Produkten im Weinbereich oder auch mit Alternativprodukten der aromatisierten Fruchtgetränke unaufhaltbar.

Zur EUROVINO: Inwiefern bietet die EUROVINO Ihrer Meinung nach für die angesprochenen Themen/ Problematiken Anregungen und Lösungen an?

Ich glaube, dass wir mit unseren Geschäften im Zentrum der Sächsischen Weinstraße eher besondere Herausforderungen haben, die sich nicht übertragen lassen. Für uns ist es wichtig, Abwechslung zu bieten. Dazu sind Messen hervorragend geeignet – Winzer und Weine zu entdecken, die auch in der Vermarktung neue Impulse setzen.

Das Thema alkoholfreie Weinalternativen wird uns alle die nächsten Jahre noch beschäftigen. Ich denke, da müssen wir als Branche reagieren.

Sie sind nun selbst Beirat der EUROVINO: Was reizt Sie an dieser Aufgabe und welche Aspekte möchten Sie in die Zusammenarbeit einbringen?

Ich bringe sehr viel Erfahrung aus dem Lebensmitteleinzelhandel mit. Wir sind mehrfach als beste deutsche Weinabteilung im LEH prämiert worden. Wir möchten weiterhin dafür sorgen, dass Wein als Lebensmittel mit Genusspotential im LEH noch besser positioniert wird, von Kaufleute-Kollegen und Mitarbeitenden, die sich für das Thema begeistern können. Überall dort, wo es keine expliziten Fachmärkte gibt, gibt es Potential dafür. Der Kontakt zwischen Winzern und Händlern kann meines Erachtens nirgendwo besser hergestellt werden als auf guten, attraktiven Messen. Messen sind Treffpunkte zur Kontaktpflege, aber auch zum Kennenlernen. Im Idealfall profitieren alle Teilnehmenden, weil man mit dem Messebesuch auch neue Vermarktungsmöglichkeiten erhält. Das sehe ich als Aufgabe: es für beide Seiten – Winzer wie Händler – attraktiv zu halten.

Warum ist die EUROVINO als Messeformat für die Branche wichtig?

Die EUROVINO ermöglicht es, an einem Tag, viele Personen der Branche zu treffen. Wir haben bei jedem Besuch mehrere neue Winzer gefunden. Auch wenn für uns die Anreise sehr weit ist, kann man den Besuch gut planen und manchmal auch mit anderen Aktivitäten verbinden. Es gibt gute Übernachtungsmöglichkeiten in Messenähe. Als Gesamtpaket hebt sie sich von kleinen Regionalmessen schon sehr deutlich ab.

2025-07-31
Im Gespräch mit Claudia Stern

Claudia Stern, Agentur für Wein- und Eventmanagement, Köln

Was macht das Thema Wein für Sie besonders? Woher kommt Ihre Faszination für dieses Thema?

Wein ist für mich mehr als ein Getränk – er ist Spiegel der Landschaft, Ausdruck von Kultur und Persönlichkeit. Jedes Glas erzählt eine Geschichte: von Böden, Mikroklima, Handwerk – und Menschen mit Persönlichkeit. Die Weinwelt ist voller Idealisten, die Genuss als Lebenshaltung begreifen. Das fasziniert mich – seit über 35 Jahren.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Das kann und will ich nicht auf eine Sorte reduzieren: Pinot Noir – aus Burgund, aber auch aus meiner badischen Heimat. Gute Champagner – natürlich. Große Rieslinge aus spannenden Steillagen. Chardonnays aus dem Jura, Burgund und vom Kaiserstuhl. Vulkanweine vom Ätna, von den Kanaren, aus Kampanien und Soave. Chenin Blanc von der Loire. Blaufränkisch und Lemberger – wenn Charakter und Herkunft spürbar bleiben. Ich bin immer neugierig – und auf der Suche nach der Emotion im Wein. Wer in der Weinwelt sagt, er kennt schon alles, hat nichts verstanden.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten?

Es gibt Sehnsuchtsorte und Regionen, die mich nie loslassen: Baden. Burgund. Champagne. Ätna. Ribera del Duero. Die Kanaren. Orte, an denen man vom Wein und den Menschen emotional berührt wird.

Welche europäische Weinanbauregion gilt für Sie aktuell als Geheimtipp?

Ganz klar: Ätna und Kampanien – voller Energie, voller Zukunft. Teneriffa – fast surreal schöne Weine. Und ganz neu im Fokus: meine Heimat Baden.

Welche Themen und Trends bewegen die Weinbranche aktuell? Was liegt Ihnen persönlich am Herzen?

Der Klimawandel verändert alles – von den Rebsorten bis zur Kommunikation. Parallel verändert sich der Konsument: weniger Alkohol, mehr Bewusstsein. Genuss in Balance. Für mich zählt Qualität statt Masse, Herkunft statt Marketing. Ich wünsche mir mehr mutige Weinkonzepte, keine austauschbaren Produkte. Außerdem: Wein muss wieder erlebbar werden. Formate wie Weinmessen, Pop-ups, Winewalks oder sensorische Masterclasses sind die Brücken zum Publikum.

Welche Entwicklungen sehen Sie im Konsumverhalten? Und wie können Handel und Gastronomie darauf reagieren?

Kund:innen suchen Sinn, Emotion und Identifikation – nicht mehr nur „einen guten Wein zum Essen“. Was hilft ist echtes Wissen, inspirierendes Storytelling. Seminare, Tastings, Begegnungen. Was nicht mehr funktioniert: Floskeln, Hochglanz, Powerpoint-Pitches und Greenwashing. Fair ist selbstverständlich.

Was macht für Sie die EUROVINO aus – und wohin sollte sie sich entwickeln?

Die EUROVINO ist mehr als nur eine Fachmesse – sie ist ein strategischer Treffpunkt für die deutschsprachige Weinbranche. Eine Bühne für starke Persönlichkeiten, mutige Weingüter und innovative Formate. Sie ergänzt bestehende Messeformate ideal – kleiner, fokussierter, näher dran. Eine Aufgabe für die nächste EUROVINO besteht durchaus darin, die Gastronomie noch mehr einzubinden, das geht am besten mit Wein & Fortbildung.

Claudia Stern
2024-10-23
Im Gespräch mit Andreas Behrens

Andreas Behrens, EDEKA Familie Behrens

Was macht das Thema Wein für Sie besonders?

Als Vollsortimenter sehe ich die Weinabteilung als besondere Ergänzung zu unserem Angebot an Lebensmitteln, insbesondere bei dem Thema Genuss. Umso höherwertig das Angebot an Lebensmitteln, desto besser verkaufe ich die entsprechenden Weine. Das Zusammenspiel macht den Unterschied.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Aktuell der Benjamin de Rothschild Macan 2017.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten/Liebling?

Rioja, Spanien im Allgemeinen!

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit im Kontext Wein, ganz speziell auch mit Blick auf Ihr Weinsortiment? Hat sich Ihr Angebot bzgl. dieses Themas in den letzten Jahren verändert bzw. wird es sich verändern?

Die Nachfrage ändert sich immer wieder in Bezug auf Nachhaltigkeit, vor Jahren begann es mit der Nachfrage nach veganen Weinen, es folgte die Nachfrage nach Bioweinen, zur Zeit steigt die Nachfrage nach alkoholfreien Weinen. Wir versuchen unser Sortiment diesbezüglich immer wieder zu optimieren, aber auch das Angebot muss hier noch besser werden. Gute alkoholfreie Weine sind (noch) schwer zu finden.

Sie bringen Ihre Expertise aus der Praxis nun auch als Beirat in die EUROVINO mit ein.

Was reizt Sie an dieser neuen Aufgabe? Und warum ist die EUROVINO als noch junges Messeformat für die Branche wichtig?

Ich freue mich als Vertreter des stationären Handels, dessen Interessen zu vertreten und mitwirken zu dürfen, die Fachmesse weiterzuentwickeln. Die EUROVINO hält ein relevantes Angebot konzentriert bereit und ist somit auch an einem Tag gut zu besuchen, hier sehe ich auch einen Vorteil gegenüber anderen Messen.

Foto von Andreas Behrens
2024-08-21
Im Gespräch mit Christopher Streeck

Christopher Streeck, EDEKA Streeck Oberkochen

Was macht das Thema Wein für Sie besonders?

Wein ist eine Faszination. Die Vielfältigkeit der Weine auf dieser Welt ist das, was mich am meisten begeistert. Ich könnte jeden Tag einen anderen Wein verkosten und würde in meinem Leben nie fertig werden. Deswegen habe ich mich auch zum Sommelier ausbilden lassen, um noch mehr Detailwissen zu bekommen.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Mein aktueller Lieblingswein ist der Phelan Segur 2014, Saint Estephe AOP Bordeaux

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Liebling?

Das kann sich von Jahrgang zu Jahrgang ändern. Aktuell ist es das linke Ufer im Bordeaux und das Rheingau für Rieslinge.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit im Kontext Wein, ganz speziell auch mit Blick auf Ihr Weinsortiment? Hat sich Ihr Angebot bzgl. dieses Themas in den letzten Jahren verändert bzw. wird es sich verändern?

Das Thema Nachhaltigkeit ist sehr aktuell. Sowohl aus Kundensicht als auch auf Seite der Winzer. Es ist richtig, vorauszublicken und vorausschauend zu agieren. Wir wollen gerne in den nächsten 100 Jahren auch noch vom Weinbau profitieren.

Es muss schneller an die Endverbraucher vermittelt werden, um das Kaufverhalten zu beeinflussen. Wir tun unseren Beitrag dazu, indem wir erläutern und das Thema vermitteln.

Über das Thema Nachhaltigkeit hinaus: Mit welchen weiteren Themen/Trends/Problematiken sehen Sie sich im Kontext Ihrer Weinabteilung momentan konfrontiert?

Wir arbeiten gerade daran, den Kunden biologisch produzierte Weine intensiver anzubieten. Das Verständnis für einen etwas höheren Preis für eine Flasche ist unsere Herausforderung. Trends sind aktuell ganz klar alkoholfrei und wieder Regionalität.

Sie waren selbst als Besucher auf der EUROVINO – inwiefern bietet die EUROVINO Ihrer Meinung nach für diese Themen/ Problematiken Anregungen und Lösungen an?

Das Thema Bio kann auf einer solchen Messe natürlich sehr schön gespielt und dargestellt werden. Das Gleiche gilt für alkoholfrei. So können sich Händler die Vielfalt der Möglichkeiten anschauen, Platz zum Darstellen wäre gegeben.

Nun sind Sie selbst Beirat der EUROVINO. In diesem Kontext zwei Fragen:

Was reizt Sie an dieser neuen Aufgabe?

Ich hoffe, dass ich durch meine Teilnahme die Interessen des stationären Handels aufzeigen kann. Im Umkehrschluss möchte ich noch mehr Händler dazu bewegen, die Messe zu besuchen, da dies zunehmend wichtiger für den LEH wird.

Und warum ist die EUROVINO als noch junges Messeformat für die Branche wichtig?

Als relevante Ergänzung zu den bestehenden Fachmessen ist die EUROVINO eine echte Bereicherung, da sie eine Konzentration auf deutsche und europäische Anbaugebiete aufweist. Entsprechend kann ich meinen Termin- und Messeplan splitten und mich als Händler auf der EUROVINO auf bestimmte Regionen konzentrieren. Natürlich freue ich mich in diesem Zusammenhang, wenn viele Händlerkolleginnen und -kollegen die EUROVINO auf Prio eins setzen.

Foto von Christopher Streek
2023-11-22
Im Gespräch mit Holger Willy

Holger Willy, Rolf Willy GmbH – Privatkellerei

Was macht dieses Thema für sie besonders?

Das Thema Wein ist für mich natürlich besonders, da ich es quasi mit der Muttermilch aufgesogen habe. Meine Eltern waren Weinbauern und daher war für mich eine Zukunft ohne Wein gar nicht vorstellbar. Und es ist für mich auch heute noch ein schönes Thema – ich habe es nie missen wollen.

Bei Ihnen ist Wein auch heute noch Familiensache…

Es ist sicherlich eine große Herausforderung, dass der Familienbetrieb mit Weitblick von der nächsten Generation, die Lust darauf hat, weitergeführt wird. Mein Bruder hat zwei Kinder, bei denen das der Fall ist und die beide in Geisenheim studiert haben und zukünftig für Rolf Willy stehen werden. Darüber freue ich mich sehr.

Die allgemeinen Herausforderungen sind natürlich heute anders als noch vor einigen Jahren. Damals genügte es, guten Wein zu machen, freundlich aufzutreten, an Messen teilzunehmen und dann lief das Geschäft. Heutzutage mit gestiegenen Energiepreisen geht es auch darum, die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit des Betriebes zu sichern und das wird eine große Herausforderung für die Zukunft. Auch für uns wird es Einschnitte geben, aber ich sehe die Firma Rolf Willy gut aufgestellt. Wandel gibt es immer und wir werden uns daran anpassen (müssen).

Inwieweit spielen Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine Rolle?

Das Thema Umwelt- und Klimaschutz ist überall präsent und ein sehr wichtiges Thema. Wir können uns dem Thema nicht verschließen. Nachhaltig im Gesamten sind wir, würde ich sagen, schon seit vielen Jahren. Wir haben vor 15 Jahren die Kellerei errichtet und hier schon nachhaltige Kriterien berücksichtigt wie z. B. kurze Wege, Energieeffizienz, Ressourcenoptimierung. So wurden unsere Kühlhäuser für die Gärung im Erdreich verbaut, wodurch wir das natürliche Klima vom Erdreich nutzen können. Wir haben Brunnen im Einsatz, einen Schluckbrunnen als ein geschlossener Brunnen-Wasser-Kreislauf, der wieder zurückgeführt wird für die Gärsteuerung, was sehr wichtig ist. Ich glaube, die Firma Rolf Willy hat vor 15 Jahren das Thema Nachhaltigkeit und Energieeffizienz schon aufgenommen, als es nur wenige interessiert hat, weil wir wussten, wenn wir Energie sparen können, sparen wir auch Geld und machen den Betrieb damit effizienter. Klimaschutz und Energieeffizienz findet nicht nur im Weinberg statt, sondern in der gesamten Wertschöpfungskette. Da sind wir meiner Meinung nach schon sehr gut aufgestellt.

Sie sind Beirat in der EV, warum ist EV als neue Fachmesse wichtig?

Ich denke es ist wichtig, dass wir in Deutschland eine wichtige Weinmesse für deutsche Weine präsentieren. Natürlich nicht ohne ausländische Weine, aber es muss insgesamt überschaubar sein. Wir möchten eine Messe in einem schönen Rahmen bieten, wo wir wieder Gespräche ohne Hektik führen und gute Geschäfte in entspannter Atmosphäre durchführen können. Wir wollen uns auf das Wesentliche fokussieren.

(Anm. d. Red: Aufgenommen auf dem Pre-Event der EUROVINO)

Foto von Holger Willy
2023-11-22
Im Gespräch mit Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz, Vorsitzender des Beirats

Was macht das Thema Wein für Sie besonders? Woher kommt Ihre Faszination für dieses Thema?

Wein ist wie kaum ein anderes Produkt in der Lage, seine geografische Herkunft und das Wachstumsjahr widerzuspiegeln. Guter Wein ist typisch für seinen Standort und das Wetter im jeweiligen Jahresverlauf. Das macht Wein einmalig. Dazu kann er, in Maßen genossen, unseren Geist und unsere Seele beflügeln. Ohne Wein wäre die Welt ein Stück ärmer.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Eine solche Frage ist eigentlich nicht zu beantworten, es gibt so viele Lieblingsweine. Aber eine Rebsorte hat es mir besonders angetan, das ist der Riesling. Er ist für mich ohne Frage der König der Weißweine. Er ist in der Lage, unterschiedlichste Weine hervorzubringen, die alle Reifestadien der Trauben und Weinbeeren in der Ernte widerspiegeln.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten/Liebling?

Die Liebe zu Wein ist plural. Aber konkret. Ich liebe spannende Weißweine aus der Mitte Europas und Rotweine von den Küsten des Mittelmeers und des Atlantiks.

Welche Weinanbauregion in Europa ist für Sie aktuell noch ein Geheimtipp/ist im Kommen?

Der Klimawandel wird neue Regionen bevorzugen. Während Hitze und Wassermangel in manchen Regionen des Südens dem Weinbau zu schaffen machen, wird es im Norden neue Gebiete geben, die ganz interessante, spannende Weine zu bieten haben.

Welche Themen werden Ihrer Meinung nach die Weinbranche in naher Zukunft am stärksten beschäftigen?

Da stechen zwei Themen hervor. An erster Stelle steht der eben erwähnte Klimawandel, der die Weinbranche weltweit vor neue Herausforderungen stellt. Denken Sie nur mal an die verheerenden Feuerbrünste in Kalifornien oder auch die Flutkatastrophe im Ahrtal, die beide auch die jeweiligen Weinbauregionen in Mitleidenschaft zogen. Wassermangel, extreme Hitze und sintflutartige Regenfälle mit der Gefahr der Erosion ganzer Landstriche werden zunehmend den Weinbau bedrohen und verändern.

Das zweite große Thema ist der Strukturwandel. Ausgelöst durch die Konzentration im Handel, vollziehen sich auch auf Produktionsseite ähnliche Konzentrationsprozesse. Die Weinwelt wird sich stärker segmentieren in kleine, individuell agierende Weinerzeuger und große eher industriell arbeitende Strukturen.

Sie sind Vorsitzender des Beirats der Fachmesse EUROVINO, die 2024 erstmals stattfindet. Auf was freuen Sie sich im Hinblick auf die Premiere im März 2024 besonders?

Meine Freude ist heute schon groß angesichts des sichtbaren Zuspruchs zur EUROVINO, die in der Mitte Europas einen relevanten Marktplatz für Aussteller wie Besucher zu bezahlbaren Konditionen und mit vertretbarem Aufwand bietet. Natürlich freue ich mich auf ganz viele spannende Begegnungen mit Freunden und guten Gesprächspartnern und auf die tollen Weine und Angebote, die es auf der EUROVINO zu entdecken gilt. In den ersten Monaten werden die Weichen für den Rest des Jahres gestellt und da ist die EUROVINO die beste Gelegenheit für Weinerzeuger und -vermarkter auf Ausstellerseite sowie die Fachbesucher aus Handel und Gastronomie.

Foto von Dr. Hermann Pilz
2023-08-01
Im Gespräch mit Michael Kugel

Michael Kugel, Berater und Coach, Kassel

Was macht das Thema Wein für Sie besonders? Woher kommt Ihre Faszination für dieses Thema?

Mit nur 26 Jahren habe ich mich selbstständig gemacht und einen Weingroßhandel übernommen. Zunächst ging es nur ums Geschäft. Marketing und Zielgruppen standen im Fokus, der Wein war lediglich eine Ware. Erst später, mit den Reisen in die unterschiedlichsten Regionen hat sich etwas bei mir verändert. Die Kulturlandschaften, das besondere Klima, die Speisen dieser Regionen und natürlich die Menschen, die hinter den Weinen stehen, haben mir gezeigt, dass alles zusammengehört. Jede Region, jeder Wein, jeder Erzeuger hat eine individuelle Geschichte. Ich denke, es ist die Kraft der Emotionen, die mich heute noch sehr berührt - ja fasziniert.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Ich tu mich sehr schwer mit einem „Lieblingswein“. Ich bin nicht festgelegt auf eine Sorte. Ich sage seit 30 Jahren, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um alles zu probieren. Deshalb probiere ich gerne das, was ich noch nicht kenne. Mein „Liebling“ ist dann der Wein, über den ich mit Leidenschaft und Begeisterung anderen Menschen etwas erzählen kann. Auch ein Wein, der mich gerade überrascht. Das kann eine Entdeckung auf einer Weinreise sein oder der Anlass und die Gesellschaft, in der ich Wein genieße. Offensichtlich brauche ich den Austausch, denn wenn ich alleine bin, trinke ich keinen Wein.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten/Liebling?

Auch hier gehts mir ähnlich wie beim „Lieblingswein“. Ich möchte viel ausprobieren. Es gibt jedoch ein paar wenige Regionen, auf die ich dann zurückgreife, wenn es nicht ums Kennenlernen geht, sondern wenn ich z. B. für eine Feier etwas aussuchen muss. Bei Schaumwein ist es die Loire, beim Rotwein gerne das Rhône Tal, die Weißen kommen dann meist aus Norditalien. Konkreter werde ich jetzt nicht ;-)

Welche Weinanbauregion in Europa ist für Sie aktuell noch ein Geheimtipp/ist im Kommen?

Ich war letztes Jahr in Kroatien (nicht am Meer, sondern in Zagreb und Umgebung) und habe dort etliche Weine mit Begeisterung probiert und kennengelernt. Das könnte in der Tat ein Geheimtipp sein. Auch bei einer Fachstudienreise durch die Schweiz habe ich mehrere „Geheimtipps“ im Glas gehabt, leider kann man viele nicht kaufen, weil es zu wenig davon gibt. In diesem Jahr plane ich eine Weinreise nach Georgien und bin schon sehr gespannt. Mal sehen, was ich dort entdecken werde. Im Nordwesten Polens (südlich von Stettin) hat mich ein Bio-Riesling überrascht. Ich bin sehr interessiert, was im „kühlen Norden“ passiert. Die Klimaveränderung und neue Rebzüchtungen machen es möglich, dass Weinbau auch in Regionen möglich werden wird, an die bislang kaum jemand denkt. Stichwort Piwi-Sorten: Hier würde ich mir wünschen, dass diese im Kommen sind.

Sie coachen Mitarbeitende aus Hotellerie und Handel rund um das Thema Wein aber auch im Hinblick auf Themen wie „Guten Umgang mit Kunden/Gästen“ sowie „Wertschätzende Kommunikation“: Welcher Themenbereich ist denn dabei aktuell besonders gefragt?

Guter Umgang und wertschätzende Kommunikation, vor allem im geschäftlichen Bereich mit Kunden und Mitarbeitern, ist nie aus der Mode gekommen. Es wird nur nicht mehr überall automatisch gelebt. Mein Thema ist seit 10 Jahren die „Gastfreundschaft“. Hierbei geht es um die Haltung, die wir einnehmen, wenn wir freiwillig in die Gastgeber-Rolle schlüpfen. Wenn Gastgebende in ihren Kunden „Gäste“ sehen, läuft das zwischenmenschliche Miteinander stets wertschätzend und im Umgang mit „Gästen“ passieren keine Fehler. Diese Haltung steckt im Grunde in jeder Persönlichkeit. Meine Aufgabe als Trainer ist es, diese sichtbar zu machen, herauszuarbeiten und für jeden praktikable Verhaltensformen zu erarbeiten, die wiederum am Arbeitsplatz angewandt werden. Wer sich darauf einlässt, hat sofort Erfolg.

Sie sind Beirat der EUROVINO, die 2024 erstmals stattfindet: Warum ist die EUROVINO als neues Messeformat wichtig/relevant?

„Zeitenwende“, dieses Wort hält nun seit Monaten in vielen Bereichen Einzug. Ich glaube, die Zeit der „Nabelschau“ geht allmählich zu Ende. Ein „Weiter so“ wird es nicht geben können. Größer, billiger, mehr von allem sind nicht die überzeugenden Antworten auf drängende Fragen.

Der Messestandort Karlsruhe mit der neuen EUROVINO wird mit seinem Konzept das Produkt und den Austausch darüber in den Mittelpunkt stellen. Dabei sind Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch, sondern „Herz und Seele“ des Ausstellungskonzeptes. Ich denke, Ausstellern wird durch ein faires Preis-/Leistungsverhältnis und eine transparente Kostenstruktur eine Messebeteiligung leicht fallen. Sehr gute Rahmenbedingungen ermöglichen eine flexible Planung. Vielleicht können wir dadurch Winzerbetriebe kennenlernen, die sich bislang noch nie auf einer Messe präsentiert haben.

Die klare und offene Kommunikation wird auch den Besuchenden helfen, dass die Ausstellung zum Treffpunkt wird, mit kurzen Wegen überschaubar bleibt, dass Kontakte leichter geknüpft werden und befriedigendere Antworten auf die aktuellen Fragen in der Weinwelt mitgenommen werden können.

Auf was freuen Sie sich im Hinblick auf die EUROVINO 2024 besonders?

Nachhaltigkeit ist das nächste große Thema in unserer Gesellschaft. Was hierzu die Weinbranche betrifft, wird auf der EUROVINO sichtbar. Darüber freue ich mich. Ich freue mich aber auch auf Karlsruhe, eine sehr lebenswerte Stadt in Reichweite mehrerer Anbaugebiete. Was mir auch gut gefällt, ist das schöne, moderne Messegelände. Als Mitorganisator des Fair Wine Award freue ich mich natürlich auch sehr, dass wir die Sieger auf der EUROVINO 2024 vorstellen dürfen.

Foto von Michael Kugel
2023-07-28
Im Gespräch mit Petra Neuber

Petra Neuber, ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.

Was macht das Thema Wein für Sie besonders? Woher kommt Ihre Faszination für dieses Thema?

Aufgewachsen in einer Weinregion, aber eben nicht auf einem Weingut, hat mich schon früh die Vielfalt der Weinwelt begeistert. Die Winzerinnen und Winzer mit ihren eigenen Geschichten und Stilen, die Art die Weine zu vermarkten, die unterschiedliche Gestaltung der Flaschen und natürlich die Vielzahl der Weine. Es erstaunt mich immer wieder, wie facettenreich die Rebsorten sind. Eine Rebsorte unterschiedlich ausgebaut – da wird es nie langweilig.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Da möchte ich mich gar nicht festlegen. Grundsätzlich mag ich die fruchtigen, leichten Weißweine aus Deutschland, gerade die neuen aromatischen PIWIs gefallen mir.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten/Liebling?

Nein. Ich mag vor allem unsere heimischen Weine aus Deutschland.

Sie sind Geschäftsführerin von ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau. Welche Themen treiben Sie und ihre Mitglieder momentan besonders um?

Wie die gesamte Weinbranche spüren auch unsere Weingüter schon den Klimawandel und seine Folgen. Es gibt eigentlich nur noch „extreme Weinbaujahre“, einmal monatelange Trockenheit, dann wieder feucht-nasse Sommer, mal Spätfröste, Hagel oder Starkregen. Wie kann der ökologische Weinbau dem begegnen und wirtschaftlich zukunftsfähig sein? Mit neuen Strategien und Anbaumethoden versuchen wir, die Klimafolgen möglich gering zu halten. Dazu gehört u.a. der Anbau von PIWIs.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage beschäftigt uns natürlich auch die Vermarktung der handwerklich erzeugten Weine unserer Mitglieder. Daher freuen wir uns über die EUROVINO.

Was macht einen nachhaltigen Wein aus?

Für uns ist die Grundlage eines nachhaltigen Weines immer mindestens seine EU-Bio-Zertifizierung. Klima- und Ressourcenschutz gehen einher mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung.

Sie sind Beirat/Beirätin der EUROVINO, die 2024 erstmals stattfindet: Warum ist die EUROVINO als neues Messeformat wichtig/relevant?

Kleine Weingüter können den großen Messezirkus finanziell nicht stemmen, suchen gleichzeitig neue Wege, ihre handwerklich erzeugten Weine zu vermarkten. Die EUROVINO bietet mit ihren wiederverwendbaren Messeständen eine nachhaltige und kostengünstige Möglichkeit zur Präsentation.

Auf was freuen Sie sich im Hinblick auf die EUROVINO 2024 besonders?

Ich bin gespannt auf die „neuen“ Gesichter, die man bis dato noch nicht gesehen hat, da die alten Messen zu groß für sie waren. Sicherlich werden wir etliche spannende Weingüter auf der Messe entdecken können.

 Foto von Petra Neuber
2023-07-26
Im Gespräch mit Martin Schmidt

Martin Schmidt, Friedrich Kiefer KG Privatkellerei – Weingut, Eichstetten

Was macht das Thema Wein für Sie besonders? Woher kommt Ihre Faszination für dieses Thema?

Ich bin Winzer mit Leib und Seele. Als Sohn eines Ökowinzers der ersten Generation liegt mir die Natur sehr am Herzen und die Weiterentwicklung des ökologischen Weinbaus mit Piwis.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Grauburgunder vom Kaiserstuhl!

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten/Liebling?

Baden, Kaiserstuhl

Sie selbst setzen auf ökologischen Weinbau – inwieweit haben sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen hierzu in jüngster Zeit gewandelt?

Anforderungen an den Pflanzenschutz sind durch die Klimaerwärmung extrem gestiegen. Deshalb setzte ich voll auf Piwis, mit denen eine Pflanzenschutzmittelreduktion von 80% möglich ist.

Welche Rolle spielen vegane Weine, Naturweine, Piwis für Sie und Ihre Kunden?

Meine Bioweine sind alle vegan, werden aber nicht mit einem Label versehen. Mir ist ein Nachhaltigkeitslabel viel wichtiger. Aus diesem Grund ist mein Weingut und die Privatkellerei Kiefer seit 2022 Fair Choice zertifiziert, Schmidt ist seit 1992 Ecovin zertifiziert. Mein neues Projekt Piwi Kollektiv ist ebenso seit 2022 Fair Choice zertifiziert.
Naturweine gibt es bei Schmidt. Sie sind und bleiben eine Nische. Für Winzer und Konsumenten sind sie ultra spannend und geben dem Weinbau neue Impulse. Piwis sind für mich die Zukunft des Weinbaus. Von unseren Bioflächen sind bereits 25% auf Piwis umgestellt. Mit dem Piwi Kollektiv möchten wir das Thema massiv vorantreiben.

Sie sind Beirat der EUROVINO, die 2024 erstmals stattfindet: Warum ist die EUROVINO als neues Messeformat wichtig/relevant?

Die Weinwirtschaft braucht eine neue innovative Plattform, bei der sich auch kleinere Player wohl fühlen und neue Zukunftsthemen im Fokus stehen.

Auf was freuen Sie sich im Hinblick auf die EUROVINO 2024 besonders?

Auf den Austausch über neue Konzepte!

Foto von Martin Schmidt
2023-07-24
Im Gespräch mit Barbara Wanner

Barbara Wanner, Organize Communciations GmbH

Was macht das Thema Wein für Sie besonders? Woher kommt Ihre Faszination für dieses Thema?

Die Unergründlichkeit und Tiefgründigkeit faszinieren mich schon viele Jahre am Thema Wein. Es ist einfach unglaublich, wie Winzerinnen und Winzer auf der ganzen Welt Hand in Hand mit der Natur arbeiten, einer Herkunft Ausdruck verleihen und Weine in allen möglichen Facetten und Qualitätsstufen zum Vorschein bringen – eine neverending story.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Einen Lieblingswein herauszupicken, widerstrebt meiner Natur als Weinfrau etwas, gerade auch, weil ich mich immer wieder freue, innerhalb der Buntheit Neues und Außergewöhnliches zu entdecken, am liebsten ohne Grenzen und Vorurteile. Das gilt für mich auch im Ausbau: große Klassiker schaffen es ebenso oft in mein Glas wie Natural und Orange.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten – haben Sie einen Favoriten/Liebling?

Die Frage ist wohl eher, zu was frau niemals nein sagen würde. Und da steht die Champagne ganz hoch im Kurs bei mir, aber auch Burgunder und gereifte Bordeaux, nicht zu vergessen große Rieslinge und Chenin Blancs, ohne mich dabei auf ein spezielles Anbaugebiet festlegen zu wollen, im Übrigen auch nicht nur auf Europa.

Welche Weinanbauregion in Europa ist für Sie aktuell noch ein Geheimtipp/ist im Kommen?

Ich finde, dass es nach wie vor in Portugal viel zu entdecken gibt. Bairrada finde ich besonders spannend, weil die Rebsorte Baga ein betörendes Spannungsfeld liefert – von Schaumwein bis großem Rotwein. Ich finde es aber auch immer wieder reizvoll, ein klassisches Anbaugebiet aus einer neuen Perspektive unter die Lupe zu nehmen. Zuletzt waren das für mich Bordeaux und das Piemont. Ein weiterer Geheimtipp sind derzeit einige Sekte aus Deutschland und dem Trentino für mich, da extrem viel Bewegung in die prickelnde Szene gekommen ist.

Welche Themen/Trends werden Ihrer Meinung nach die Weinbranche in naher Zukunft am stärksten beschäftigen?

Wie wir Konsumentinnen und Konsumenten dazu bewegen, für naturnahe und handwerkliche Weine lieber etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Sie müssen verstehen, dass dies kein Luxus ist. Sie müssen spüren, dass sie sich dadurch engagieren für die Erhaltung eines Handwerks, kleiner und mittelständischer Betriebe und der Kulturlandschaft.

Sie sind Beirätin der EUROVINO, die 2024 erstmals stattfindet: Warum ist die EUROVINO als neues Messeformat relevant?

Als Karlsruher Unternehmerin glaube ich, dass der Standort im Mittelpunkt einiger europäischer Anbaugebiete einen großen Vorteil bietet. Die Pfalz, Baden, Württemberg und das Elsass uvm sind nur einen Autostunde entfernt.

Auf was freuen Sie sich im Hinblick auf die EUROVINO 2024 besonders?

Am meisten freut mich, dass sich die Weinwelt in Karlsruhe trifft und dass die Messe Karlsruhe Wein in den Mittelpunkt stellt. Wie die art.karlsruhe kann auch die EUROVINO zum Erfolgsmodell avancieren.

Foto von Barbara Wanner